Opel Ampera e - Fahrbericht und erste Fragen

  • Hallo liebe Ampera e Freunde



    Ich habe den Opel Ampera e neu im Juni 2018 erhalten....habe bereits mehr als 8'000 km zurückgelegt.....fahre auf allen Strassentypen....Autobahn, Bergstrecken etc.


    Ich bin sehr zufrieden mit meinem neuen Elektroauto....vor allem mit der Rekuperierung .....auch das Drehmoment ist hervorragend....der Sportmodus wäre nicht mal nötig....200PS... ;)
    Der Rückruf betreffend Lenksäule war kein Problem....der Händler hat mir Kaffee angeboten....sowie das Fahrzeug gratis gereinigt... :)



    Habe folgende Fragen an gleichgesinnte:


    - Die ersten Ladungen im Sommer, bei 25°, gingen so bis zu 380km....jetzt im Winter, bei +3° nur noch 250 km...ist das normal ?...klar haben die Batterien im Winter einen Leistungseinbruch.......finde 1/3 weniger Reichweite....



    - Der durchschnittliche Verbrauch ist auch von 18kWh/100km auf 24kWh/100km hochgeschnellt....



    - Kann man den Spurassistenten permanent ausschalten.



    - Beim Sofort laden fällt die Einstellung immer wieder auf 6A zurück obwohl die Zuleitung, Ladestation und Anschlusskabel auf mind. 16A ausgelegt sind.



    Bitte um Feedback.....

  • Hallo Gribsch54,


    willkommen im Forum und danke für deinen Beitrag.


    Zunächst mal ein paar Infos zu meinem Ampera e First Edition. Der ist jetzt 13 Monate im Einsatz und hat knapp 20.000 km hinter sich.


    Nun zu deinen Fragen:


    1. Ladeeinstellungen "Sofort Laden":


    Fällt bei mir auch immer auf 6A zurück. Habe es jetzt noch mal über die Opel Seite auf 10A gesetzt und schaue ob es so bleibt, jedoch habe ich keine große Hoffnung dass es diesmal klappt.
    Übrigens hatte ich am Anfang auch 16A zur Auswahl, jedoch ist diese Einstellung mit irgendeinem Update dann weg gewesen.
    Hintergrund ist, dass das Auto hauptsächlich für den amerikanischen Markt geplant war und das Stromnetz dort bei höherer Lastentnahme anscheinend oft Probleme gemacht hat.
    Nun also die "hundert Prozent sichere" Einstellung zur Vermeidung amerikanischer Klagen. Ich schiebe auch das ständige deaktivieren der 10A auf diesen Umstand, da ja bei jedem Wechsel die tolle Warnung kommt dass das ja ach so gefährlich sein kann.
    Ich denke ich werde mal Opel anschreiben und fragen ob europäische Autos hier nicht die alte Version der Ladebegrenzung wieder bekommen können.


    Insgesamt kann ich mit der Ladebegrenzung auf 6A inzwischen gut leben, da ich mein Ladeverhalten geändert habe. Dazu später mehr.


    2. Spurassistent


    Das Ding ist Fluch und Segen. Ein Mal hat es mich bei einer Nachtfahrt sicher sinnvoll korrigiert, in den meisten Fällen nervt es jedoch. Nach 20.000 km habe ich aber anscheinend entweder meinen Fahrstiel drauf eingestellt oder merke es einfach kaum noch.
    Ich muss selbst noch mal schauen wie der abgeschaltet werden kann.


    3. Verbrauch


    Deine Verbrauchswerte sind denke ich im normalen Rahmen, jedoch sind meine insgesamt deutlich niedriger. Liegt aber an einer Vielzahl von Punkten, von denen ich einige nennen will.


    a) Innenraum-Klimatisierung


    Hier recht sich, dass der Ampera e über keinen Wärmetauscher für die Heizung verfügt. Im Vergleich zum IONIC eines Kollegen zieht der Opel bei Minustemperaturen bis zum doppelten Strom nach Kaltstart. Hat aber fairerweise auch einen größeren Innenraum aufzuwärmen.


    Gift für den Verbrauch sind Kurzstrecken mit notwendiger Enteisung der Scheiben. Also 2 km zur Arbeit (Heizung läuft auf Maximum) um dann wieder Stunden zu stehen und auszukühlen.
    Ich versuche solche extremen Kurzstrecken, auch aus anderen Gründen, zu vermeiden (Fahrrad, Laufen).
    Zum enteisen für Unterwegs habe ich Enteisungspray in der Seiteablage was die Enteisungszeit deutlich verkürzt.


    Ich fahre auch immer mit deutlich niedrigerer Temperatur im Winter und höherer Temperatur im Sommer als wohl die meisten Menschen.
    Habe ich schon früher mit dem Diesel so gemacht. Im Winter steht die Klima meist auf 19°C, im extremen Hochsommer oft auf 23°C. In der Übergangszeit im Frühjahr und Herbst ist die Klima bei mir oft aus, wenn sie nicht zum Entfeuchten gebraucht wird.
    Generell sollte man sich nicht wegen des Verbrauchs aus seiner Komfortzone bewegen (Frieren, Schwitzen während der Fahrt ist gefährlich).
    Die Klima bläst mir im Sommer viel zu kalt und zu stark. Deshalb ist sie bei mir selten im Automatik-Modus. Ein Problem dass ich aber bei allen Autos mit amerikanischer Klimananlagenauslegung habe.
    Dass ich deutlich mehr Reichweite habe als andere ist sicher auch hiermit begründet.


    Mir selbst fehlt ein Eco-Modus der Klimaanlage, welcher mir das ständige Umstellen der Klima ersparen würde und den ständigen, ineffizienten Volldampf auf Kurzstrecke abfedert.


    b) Batterie-Klimatisierung


    In der Verbrauchsanzeige gibt es den Punkt "Batterieoptimierung". Damit ist das Thermo-Management der Akkus gemeint.
    Die Leistung der Li-Ionen Akkus lässt bei sehr niedrigen und sehr hohen Temperaturen stark nach. Deshalb werden sie gewärmt bzw. gekühlt.
    Autos ohne Thermo-Management brechen im Winter noch viel stärker ein als der Ampera.


    Wir hatten jetzt die letzen Wochen nachts -3 bis -15°C was zu Werten bei der Batterieoptimierung von bis zu 9% geführt hatte.
    Deshalb habe ich die Bergabfahrt Reserve im Winter nun generell aktiviert.
    Ein ganz vollgeladener Akku führt zur Abschaltung der Rekuperation. Der Verlust an Effizienz ist im Winter noch viel höher als im Sommer.


    Auch sind kalte Batterien nicht so leistungsfreudig was zusammen mit der Heizung beim Kaltstart den Verbrauch bei Kurzstrecken in die Höhe treibt.
    Ich lade also lieber die Batterie mit geringer Leistung öfter und lass das Auto bei Minustemperaturen nachts am Netz.
    Der Ampera nimmt sich dann nur das was er braucht zur Batterieoptimierung vom Kabel und ich starte mit voller Batterie-Effizienz in den kalten Tag.


    Mit den resultierenden 86 % Ladung bin ich die letzen Ladungen im Bereich von 200 - 230 km (laut Anzeige) bei max. 4 % Batterieoptimierung gewesen.
    Nebenbei ist das für die Akkus auch besser und ich habe weniger Ladeverlust, welcher bekanntlich mit Füllungsgrad der Batterie steigt.
    Nur wenn ich die volle Reichweite für Langstrecke brauche nehme ich die Option raus.


    c) Reifendruck


    Der Reifendruck variiert mit den Temperaturen. Ich fahre im Winter zwischen 2,4 und 2,5 bar vorne und 2.8 bis 2.9 bar hinten. Im Sommer sind es dann 2,6 bzw. 3,0.
    Weiss nicht was das letztendlich ausmacht.


    d) Fahrprofil


    Ich habe hier im Forum eine Tabelle mit Grafik gepostet welche den Verbrauch in Abhängigkeit von der Geschwindigkeit (ohne Temperatureinfluss - werde ich vielleicht mal versuchen zu integrieren) aufzeigt.
    Die der Verbrauch mit Geschwindigkeit nahezu quadratisch ansteigt machen jede 10 km/h Steigerung schnell - 50 km Reichweite aus.


    So habe ich bestimmte wiederkehrende Fahrten in der Streckenführung angepasst. Eines der recht regelmäßig zu besuchenden Kundenwerke ist mit reiner Autobahnroute 300 km entfernt.
    Mit zwei mal "Abschneiden" des Umwegs über Landstrasse sind es noch 260 km, bei geringerem Durschschnittsverbrauch.
    So komme ich auch im Winter in der Regel sicher ohne Zwischenladung an, wobei bei fast drei stunden Fahrt eine halbe Stunde "Lade-Pause" eh sinnvoll ist und von Zeit zu Zeit einfach mit eingeplant wird wenn ich um 4:00 raus muss ist ein Kaffee um 6:00 nach 3/4 der Strecke sinnvoll um nicht übermüdet anzukommen.


    Die meisten meiner Fahrten sind eh ohne Autobahn. Im Sommer erreiche ich so in der Regel 400 - 450 km mit vollem Akku.
    Bei bewusst sparsamer Fahrt waren es schon ein Mal 540 km, jedoch macht das echt keine Spass mehr.


    Zum Schluss noch ein paar Zahlen welche interessieren könnten.


    Umgerechnet in Energieinhalt hat unser Akku grob das Fassungsvermögen von 6 Liter Sprit. Mein Verbrauch liegt also irgendwo zwischen 1,5l und 2,5 l/100 km bei normaler Fahrweise (Wirkungsgradberechnungen mal aussen vor).
    Ich habe gelesen dass der Liter Super 1,5 kWh pro Liter bei der Raffination benötigt. Wenn das stimmt braucht die Erzeugung des Inhalts eines 40 Liter Tanks so viel Strom wie ne volle Ladung des Ampera.
    Dabei ist dann die Energie von Transport und Ölgewinnung anscheinend noch gar nicht eingerechnet.


    Ich habe zu Hause gerundet 3000 kWh auf 18.000 km gebraucht, was einem Mittel von 16,6 kWh auf 100 km entsprechend würde. Hinzu kommen jedoch Ladungen an Schnellladern auf Langstrecken und vereinzelte Ladungen kostenlose Stationen z.B. beim Einkaufen etc.


    Leider habe ich nicht alle kostenlosen Ladungen aufgezeichnet, womit ich das Verbrauchsmittel über das Jahr hier mal grob mit 18,5 bis 19 kWh / 100 km angebe.


    Gekostet hat mir der km laut Buchhaltung dann doch gegenüber der ersten Ermittlung etwas ernüchternde 4,7 ct. Schuld daran sind die von mir nicht eingerechneten 2,05 ct/kWh Stromsteuer, die mir erst mit der Stromabrechnung gewahr wurden, und der Umstand, dass ich zwei mal gezwungen war an unverschämt teureren Ladestationen nachts zu laden. (Habe ich hier bereits berichtet).


    Zum Vergleich, der vorher gefahrene Diesel lag in den Jahren davor zwischen 7,8 und 8,1 ct/km rein Sprit, worauf aber Fairerweise für den Stromer noch die KFZ Steuer des Diesels mit drauf gerechnet werden müsste, welche über die Jahre gestiegen ist.
    Das wären dann noch mal ca. 1 ct/km mehr für meinen alten Diesel.
    Für eine Gesamtkostenbetrachtung auf Heller und Pfennig ist es leider noch zu früh.